SiLBERPFEiL Hamburg e.V.
Pfeilschnell in Hamburg: Hier wurde das Silberpfeil-Konzept geboren!

 


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Presse

 In einer ganzseitigen Reportage über die Aktion Silberpfeil, die bereits am 19.11.05 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien, schrieb Sven Astheimer unter der Uberschrift "Raus aus der Isolation" (Auszüge):

Alles begann mit einer kurzen Meldung. Klaus Wilk wollte einfach nicht glauben, was er da vor etwas mehr als einem Jahr in einer Hamburger Lokalzeitung las: "Menschen über 50 Jahre haben auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr", wurde ein renommiertes Wirtschaftsforschungsinstitut zitiert. Wilk, selbst Mitte Fünfzig, machte die Probe aufs Exempel: Er wählte 34 Stellenanzeigen aus, in denen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Qualifikationen gesucht wurden, vom Lagerarbeiter bis zum Maschinenführer. Der selbständige Tontechniker bewies großen Einfallsreichtum, als es darum ging, die nötigen Referenzen zu kreieren. "Tolle Papiere" habe er jeweils präsentieren können, sagt er heute. Allein genutzt hat es nichts.

Die vernichtende Bilanz: Wilk wurde zu keinem einzigen Vorstellungs-gespräch eingeladen. Dabei seien einige Telefonate mit den Personal-verantwortlichen gar nicht schlecht angelaufen, erinnert sich der hochgewachsene, schlanke Mann. Bis zu dem Moment, als die Gespräche an den entscheidenden Punkt kamen: "Beim Alter von 57 Jahren fiel regelmäßig die Klappe. "Eine Bewerbungsmappe kam kommentarlos zurück - ein roter Kreis um die Zahl der Lebensjahre sagte mehr als alle Worte. Seine - fingierten - Qualitäten waren nicht gefragt. Entscheidend war einzig und allein das Alter. Selbst für das Einrollen von Bonbons in einer nahe gelegenen Süßwarenfabrik hat es nicht gereicht. "Eine sehr frustrierende Erfahrung" für Klaus Wilk.

Der Frust schlug rasch in des Bedürfnis um, etwas tun zu wollen. Aber was? Wilk verschaffte sich zunächst ein genaues Bild über die Chancen von älteren Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Was seine Recherchen zutage förderten, fand er erschreckend. Von den derzeit rund 4,5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland hat fast jeder vierte die Fünfzig überschritten. Mehr als die Hälfte von ihnen sind schon länger als ein Jahr arbeitslos - Tendenz steigend. "Die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer ist in Deutschland vergleichsweise zu anderen Ländern schlecht - die Erwerbs- und Erwerbstätigenquote liegen im europäischen Durchschnitt zu niedrig, die Arbeitslosenquote zu hoch", schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Allein bei den Arbeitsagenturen in Hamburg sind mehr als 20 000 ältere Menschen als arbeitssuchend registriert. Die örtlichen Behörden haben häufig schon vor der Aufgabe kapituliert, diese Menschen noch mal zu vermitteln. Gefragt sind heute zumeist junge, mobile und qualifizierte Arbeitskräfte. Die Älteren werden oft nur noch verwaltet. "Hier liegt so viel Wissen und Erfahrung brach", sagt Wilk, den das Thema noch immer in Rage bringt. Statt dieses Potential zu nutzen, würden die Älteren oft einfach abgeschoben. Als Folge entwickelten viele Schamgefühle oder Minderwertigkeitskomplexe. Deshalb kam Wilk gemeinsam mit einem Freund auf die Idee, diese Leute zusammenzubringen. "Der erste Schritt hieß: Raus aus der Isolation. "Ein Netzwerk sollte älteren Leuten die Chance geben, ihre Erfahrungen mit der Arbeitslosigkeit auszutauschen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, um den Sprung zurück auf den Arbeitsmarkt zu schaffen. Die "Aktion Silberpfeil" entstand.
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Der Verein erhält immer wieder Anrufe von Leuten, die auf der Suche nach Geld sind. Diese Leute müssen enttäuscht werden,den die Silberpfeile müssen selbst knapp rechnen.Auch eine gebrauchte Video-Kamera haben die Organisatoren aufgetrieben. Die kommt einmal pro Woche zum Einsatz, wenn Mitglieder Vorstellungsgespräche simulieren. Andere Projektgruppen beschäftigen sich mit Themen wie Weiterbildung, Selbständigkeit, Freizeit oder Sponsoring.
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Leute mit ähnlichen Geschäftsideen sollen zusammengebracht werden und sich beim Sprung in die Sebständigkeit helfen, eventuell auch zusammen ein neues Unternehmen gründen.
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Die personelle Fluktuation stellt ein erhebliches Problem dar für die Silberpfeil-Aktion. Einige verlieren nach kurzer Zeit die Lust oder resignieren ob der scheinbaren Aussichtslosigkeit. Andere lassen den Kontakt rasch abreißen, wenn sie wieder eine Arbeit gefunden haben. Dabei hoffen die Initiatoren doch darauf, dass sich ehemalige Silberpfeile später ihrer Wurzeln erinnern und anderen eine Brücke in die Arbeitswelt bauen.
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(Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Veröffentlicht mit Genehmigung des Frankfurter Allgemeine Archivs)



Über 50 und nicht mehr gefragt

 Unter dem Titel "Motiviert, erfahren - arbeitslos" schreibt Stefan Küper in der Westdeutschen Zeitung vom 28.7.06 (Auszüge):

Wer jenseits der 50 ohne Arbeit ist, hat kaum Chancen auf eine neue Stelle. Nicht einmal die Hälfte der Deutschen über 55 ist noch berufstätig.
Zu teuer, wenig mobil, kaum noch lernfähig...Es sind Vorurteile, aber auch ganz praktische Hürden, die Arbeitslose über 50 Jahre auf dem Weg zurück ins Berufsleben zu bewältigen haben. Die meisten schaffen es nicht. Keine Gruppe von Arbeitslosen befindet sich in einer so aussichtslosen Lage wie die Älteren.
Nur neun von 20 Uber-55-Jährigen sind überhaupt noch berufstätig. Bei den 50- bis 55-Jährigen sieht es nur etwas besser aus. Zwei von drei Älteren Arbeitslosen suchen über ein Jahr lang nach einer neuen Stelle. Was in den Neunzigern noch mit großzügigen Frühverrentungen "gelöst" wurde, wird heute, wo leere Kassen keine "Geschenke" mehr zulassen, zum immer größeren Problem.
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Jeder, der einmal arbeitslos war, kennt die Brutalität des inneren Kampfes - wie viel Kraft es kostet, sich nach jeder Absage neu aufzurichten, weiter zu machen, sich selbst Optimismus aufzuzwingen. Und jetzt stelle man sich vor, dieser Mensch - Anfang 50 - sitzt in der Arbeitsagentur und kriegt als erstes zu hören: "In Ihrem Alter kann ich nichts für Sie machen."
Keine Seltenheit. Viele ältere Arbeitslose berichten von solchen Erfahrungen. Das Bittere daran: Die Aussage ist richtig - nur handelt es sich dabei nicht gerade um ein Naturgesetz.
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Erfolge in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit feiern hingegen Dänemark und Finnland mit gut zehn Prozent höheren Beschäftigungsquoten als in Deutschland. Sie konnten die Beschäftigung bei den Uber-55-Jährigen binnen sechs Jahren um über zehn Prozent steigern. Der Schlüssel zum Erfolg liegt insbesondere bei einer hohen Beteiligung an Weiterbildungen - und zwar vom Beginn bis zum Ende der Berufstätigkeit.

Uber die Situation in den Nachbarländern
Beschäftigungsquote der 55 - 64-Jährigen in Prozent 2005
Quelle: Eurostat, Westdeutsche Zeitung vom 28.7.06

Island 84,3 %
Schweden 69,4
Dänemark 59,5
Großbritannien 56,9
Estland 56,1
Finnland 52,7
Niederlande 46,1
Deutschland 45,4
Frankreich 37,9
Belgien 31,8
Österreich 31,8
Italien 31,4
Türkei 31,0
Slowenien 30,7
Polen 27,2


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